Der Hochwasserschutz an der Großen Laine beschäftigt Oberammergau seit vielen Jahren. Im Mittelpunkt standen dabei insbesondere zwei Varianten: eine Ableitung des Wassers am Ort vorbei und der Ausbau der bestehenden Laine durch das Dorf.
Die Gemeinderäte der Bürgerinitiative haben sich intensiv mit beiden Möglichkeiten beschäftigt und die Entscheidung bewusst ergebnisoffen betrachtet. Ausschlaggebend war am Ende nicht ein einzelnes Argument, sondern die Gesamtschau aus Hochwasserschutz, rechtlicher Umsetzbarkeit, Eingriffen in Landschaft und Ortsbild sowie Kosten.
Für den Ausbau der Laine durch den Ort haben insbesondere folgende Punkte gesprochen:
- Besserer Schutz bei Extremereignissen: Die innerörtliche Ausbauvariante bietet nach den vorliegenden fachlichen Einschätzungen auch bei außergewöhnlichen Hochwasserereignissen einen besseren Schutz.
- Gesicherte Machbarkeit: Die technische Umsetzbarkeit des Ausbaus ist belegt. Bei der Variante einer Ableitung am Dorf vorbei wären dagegen erhebliche Grundstückseingriffe erforderlich gewesen. Da eine technisch umsetzbare Alternative besteht, hätten notwendige Enteignungen nach der fachlichen und rechtlichen Bewertung nur geringe Erfolgsaussichten.
- Förderung von Brückenmaßnahmen: Im Zuge des Hochwasserschutzes können notwendige Sanierungen und teilweise auch Neubauten von Brücken in die Maßnahme einbezogen und mitgefördert werden.
- Verbesserung der Wegebeziehung zum Wellenberg: Mit dem Ausbau soll zugleich ein durchgehender, ausgebauter und barrierefreier Weg vom Dorf bis zum Wellenberg entstehen.
- Geringere Eingriffe in das Landschaftsbild: Bei einer Ableitung außerhalb des Orts wären stellenweise bis zu zwölf Meter breite Gerinne erforderlich gewesen. Diese hätten das Landschaftsbild deutlich verändert.
- Geringere Gesamtkosten: Nach den vorliegenden Berechnungen ist der Ausbau durch das Dorf kostengünstiger als die Umgehungsvariante.
- Möglichkeit zum Erhalt von Baumbestand: Das Wasserwirtschaftsamt hat erläutert, dass aufgrund der vorgesehenen speziellen Ausbauweise voraussichtlich eine der bestehenden Baumreihen entlang der Laine erhalten werden kann.
- Begrenzung der optischen Eingriffe: Das bisherige V-förmige Gerinne soll im Zuge des Ausbaus zu einem U-förmigen Querschnitt umgestaltet werden. Dadurch kann die notwendige Abflussleistung erreicht werden, ohne das Gerinne im gleichen Maß in die Breite ausweiten zu müssen.
Aus Sicht der Bürgerinitiative war deshalb entscheidend, beide Varianten nicht isoliert nach einzelnen Vor- oder Nachteilen zu beurteilen, sondern nach ihrer Gesamtwirkung. Der Ausbau durch das Dorf bedeutet zweifellos Veränderungen. Gleichzeitig bietet er aus heutiger Sicht die belastbarere Kombination aus Hochwasserschutz, technischer und rechtlicher Umsetzbarkeit, Kostenkontrolle und einer möglichst verträglichen Einbindung in das Orts- und Landschaftsbild.
Für die weitere Planung bleibt wichtig, die Eingriffe so gering wie möglich zu halten, betroffene Anwohner frühzeitig einzubeziehen und die Auswirkungen auf Baumbestand, Wegeführung und Ortsbild transparent darzustellen
